Traditionelle Haps mit Donna Smith

von Frau Stil-Blüte

Haps ist in Shetland das Wort für großes Schaltuch, welches täglich getragen und genutzt wurde. Klassisch als wärmende Kopf- und Schulterbedeckung, oftmals auch um die Hüften geschlungen und auf den Rücken geknotet, oder als Babydecke gefertigt, denkt man bei der Zartheit und der kunstvollen Muster dieser Tücher zunächst nicht an den täglichen Gebrauch.

Um es mit den Worten meiner Oma zu halten -es wird geschont- war ich erstaunt, als Donna uns teileweise Jahrzehnte alte Haps aus ihrer Familie zeigte, die man heute noch täglich verwenden könnte.

Der klassische Shetland Hap ist ein Viereck, mit einem Mittelteil, einer Bordüre und der Lacekante. Die Shetlander unterscheiden nochmal zwischen Bordüre und Lacekante, weil fast alle Teile von außen nach innen einzeln gestrickt werden und dann zum Schluß zusammengestrickt bzw. -genäht werden.

Und das so gut, dass man teilweise nicht sieht, wo der Anfang ist und wo abgekettet und zusammengenäht wurde. Einen kleinen Einblick gibt dieses Video  – Ohren spitzen!

Donna erzählte von ihrer Großtante Emma, die mit 5 oder 6 Jahren zu stricken begann. Für eines dieser großen Tücher benötigt sie ca. 2 Wochen. Sie hat ihr ganzes Leben gestrickt, weil sie vom Verkauf dieser Schals lebte.

Mit ihren 95 Jahren kann man nun hochrechnen, wieviel Tücher und Schals sie gestrickt hat, sie weiß es nicht. Die Muster hat sie alle im Kopf, nichts ist notiert und Donna erzählte uns, dass sie, als sie den Houlland plante, eine kleine gestrickte Probe bekam, mit den Worten, das musst Du dann so machen und so und das war alles.

Wie alles in Shetland strickt man auch diese riesigen feinen Tücher mit dem Knittingbelt und auf Stabstricknadeln. Es gibt keine Rundstricknadeln, außer für die Touristen, nehme ich an.

In dem Video von Fruity Knitting zeigt Donna, wie man mit einem Knittingbelt strickt. Ich habe es leider nicht ausprobiert, aber beim nächsten Mal und die Kinder und Jugendlichen der Shetland Peerie Makkers zeigten auf der Eröffnungsfeier ihre eindrucksvollen Werke, die sie mit einer Geschwindigkeit strickten, dass ich mein Strickzeug erst mal wieder weggepackt habe. Das fanden sie sehr lustig. Also sollte mich nochmal ein Kunde fragen, wann Kinder anfangen sollten zu stricken- sofort, einfach sofort.

In Shetland war es üblich, dass Kinder im zarten Alter von 5 Jahren die großen Mittelteile der Schals in kraus rechts strickten, während ihre Mütter und Großmütter die Bordüren und den Laceabschluß nebenbei auf dem Weg zum Torfstechen und auch wieder zurück strickten, länger als eine Woche durfte das im Durchschnitt nicht dauern, weil diese gestrickten Schals die Familie mit ernährten.
Die Männer waren in dieser Zeit mit „Ruderbooten“ auf dem Meer, um Heringe zu fangen. Sehr eindrucksvoll, denn ich weiß nun, wie sich Windstärke 8 bis 9 anfühlt und kann sagen, ich würde keinen Fuß in ein Boot setzen, egal wie groß und rudern schon mal gar nicht, da ich ja bekanntlich schon im Tretboot seekrank werde. Davon später mehr.

Der Kurs mit Donna war einfach herrlich und irgendwie schaffte sie es, allen Teilnehmern die Angst vor dem stricken eines Haps nach Shetlander Art zu nehmen. Vielen Dank Donna und hopefuy see you again in Shetland.